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Verein zur Förderung des Täter-Opfer-Ausgleichs e.V.

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Praktische Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs

Hierbei sind zwei Methoden zu unterscheiden: Die Standardmethode und das "gemischte Doppel":

Standardmethode

Vorgespräche

Der Waage-Mitarbeiter lädt die Beteiligten zunächst in schriftlicher Form zu getrennten Vorgesprächen ein. Dabei verdeutlicht er die Freiwilligkeit des Angebotes Täter-Opfer-Ausgleich, benennt die Legitimation (z. B. Zuweisung durch Staatsanwaltschaft, Gericht) und erläutert die Arbeitsweise des Schlichtungsverfahrens.

Regelmäßig nimmt der Vermittler aus Gründen des Opferschutzes zuerst Kontakt zu der Täterseite auf. In einem persönlichen Gespräch klärt der Konfliktschlichter mit dem Täter, ob Bereitschaft zu einem Ausgleich besteht. Wenn der Täter sich nach besten Kräften um eine Schlichtung bemühen will, werden die Möglichkeiten einer Wiedergutmachung erörtert.

Bei der Bearbeitung von Ausgleichsfällen mit Tätergruppen wird mit jedem Beschuldigten einzeln ein Erstgespräch geführt, wodurch jedes Gruppenmitglied die Möglichkeit erhält, sich eigenverantwortlich mit seinem Verhalten zur Tatzeit auseinanderzusetzen.

Im Anschluß an das Tätergespräch bietet der Vermittler dem Geschädigten ein vertrauliches Gespräch in der Waage an. Wenn dieser darauf eingeht, kann im geschützten Rahmen ohne Beisein des Täters geklärt werden, ob der Geschädigte eine Konfliktschlichtung wünscht und welche Vorstellungen er über wiedergutmachende Leistungen seitens des Beschuldigten hat.

In den Vorgesprächen können die Beteiligten das Tatgeschehen subjektiv darstellen und ihre Erwartungen, Forderungen sowie die Vorbehalte und Ängste in Bezug auf einen Ausgleich äußern. Dabei werden verbindliche Absprachen für die weitere Vorgehensweise getroffen. Unter Umständen ist es sinnvoll bzw. notwendig, mehrere Gespräche mit den einzelnen Konfliktparteien zu führen.

Andere Konfliktbeteiligte, wie Eltern, Rechtsanwälte, Partner und Freunde, werden nach Wunsch in das Ausgleichsgespräch einbezogen.

Ausgleichsgespräch

Wenn ein Ausgleich sinnvoll erscheint und alle Beteiligten dazu bereit sind, findet ein Schlichtungsgespräch im Rahmen einer persönlichen Begegnung und Aussprache zwischen Täter und Opfer im Beisein eines Vermittlers statt. Dabei können zunächst die Sichtweisen der Beteiligten hinsichtlich Ursachen, Hergang und Folgen der Tat thematisiert werden. Der Vermittler regt durch entsprechende Intervention eine Aufarbeitung und Bereinigung der bestehenden Konflikte an.

Im Rahmen des Ausgleichsgesprächs sollte der Vermittler gewährleisten, dass

Wenn die Beteiligten dies wünschen, kann ein Ausgleich durch die Vermittlung des Schlichters auch ohne ein gemeinsames Gespräch durchgeführt werden.

Vereinbarung

Am Ende des Ausgleichsgespräches werden konkrete Beschlüsse hinsichtlich einer Schadenswiedergutmachung gefaßt. Dabei vermittelt der Konfliktschlichter eine Vereinbarung über wiedergutmachende Leistungen materieller und immaterieller Art des Täters an das Opfer.

Hierzu wird eine juristisch abgesicherte Vertragsform benutzt, bei der strittige und unstrittige Inhalte klar getrennt werden. Desweiteren wird der Modus etwaiger Ratenzahlungen und/oder symbolischer Wiedergutmachung festgeschrieben, auf noch zu erwartende justizielle Sanktionen und weitergehende Ansprüche hingewiesen.

Bei Minderjährigen stellt der Vermittler die Zustimmung der Erziehungsberechtigten sicher.

Wurde eine Vereinbarung getroffen, deren Verwirklichung z. B. aufgrund von Ratenzahlungen noch einige Zeit benötigt, so kontrolliert der Vermittler deren Einhaltung. Über das Ergebnis des Täter-Opfer-Ausgleichs und die Erfüllung der Vereinbarungen wird die Justiz informiert.

Gemischtes Doppel

Diese Methode hat sich in der praktischen Arbeit in Wien bewährt und soll in geeigneten Fällen in die gängige Ausgleichspraxis der Waage integriert werden.

Diese methodische Bearbeitungsweise wurde vor allem im Hinblick auf Partnerschaftskonflikte entwickelt, bei der die konfliktbezogene Wiedergutmachung im Mittelpunkt steht. Den Konfliktparteien wird es ermöglicht, ihre Beziehung zueinander zu reflektieren und perspektivisch neu zu gestalten oder bei auflösender beziehungsweise bereits geschiedener Paarbeziehung auf ein geregeltes Auseinander hinzuarbeiten.

Der Unterschied zur Standardmethode liegt darin, „zu zweit zu arbeiten". Dies bedeutet, der Konfliktberater führt das Erstgespräch mit dem Mann, die Konfliktberaterin mit der Frau. Im unmittelbar anschließenden Ausgleichsgespräch reflektieren beide Konfliktberater über die Inhalte der Vorgespräche.

Beide Konfliktberater nehmen keine anwaltliche Stellung zum jeweiligen Gesprächspartner ein, sondern bieten eine Rückschau in die Beziehungsvergangenheit, moderieren gemeinsam die Diskussion und geben Anregungen zur konstruktiven Konfliktbearbeitung. Dieser Prozeß wird unterstützt durch weitere methodische Vorgehensweisen, wie z. B. das Spiegeln, Spiegelkorrektur, Beobachten, Reflecting-Team, Coaching usw. Zum Abschluß des Gespräches wird eine schriftliche Vereinbarung getroffen.

Zur Rolle des Vermittlers

Der Konfliktberater nimmt im Ausgleichsverfahren eine neutrale, vermittelnde Position zwischen Täter und Geschädigtem ein. Diese Allparteilichkeit ist Voraussetzung dafür, daß eine Konfliktlösung erzielt werden kann, die beiden Seiten gerecht wird.

Allparteilichkeit ist nicht mit Passivität und Meinungslosigkeit gleichzusetzen. Sie kann im Hinblick auf tragfähige Kompromißlösungen durchaus bedeuten, einer Partei die Sichtweise der anderen nahezubringen.

Da das gemischte Doppel bei Partnerschafts- und Beziehungskonflikten angewendet werden kann, ist im Erwachsenenbereich die Anwendung dieser Methode im Einzelfall begründet. Voraussetzung hierfür sind Erfahrungen in klientenzentrierter Gesprächsführung. Zur Durchführung müssen die Kollegen eine Vorbereitungs- und Reflektionsphase wahrnehmen, begleitet durch Supervision.

Ein Ausgleich sollte von Beginn an bis zu seinem Abschluß von demselben Mitarbeiter bearbeitet werden, um Vertrauen aufzubauen und konstruktiv nutzen zu können.

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