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Verein zur Förderung des Täter-Opfer-Ausgleichs e.V.

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Kriterien für die Auswahl von Ausgleichsfällen

Ob ein Täter-Opfer-Ausgleich für einen bestimmten Fall geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich aus der Funktion und den Zielen der Maßnahme selbst, ihrer Durchführbarkeit aus methodischer Sicht und aus den gesetzlichen Rahmenbedingungen ergeben.

Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass der Täter-Opfer-Ausgleich nicht zu einer Ausweitung sozialer Kontrolle und/oder einer sekundären Viktimisierung des Geschädigten führt.

Die folgenden fünf Grundsätze sind bei der Auswahl von Ausgleichsfällen zu beachten:

2.Das Opfer muss personifizierbar sein

Der Täter-Opfer-Ausgleich beinhaltet Konfliktschlichtung und Schadenswiedergutmachung. Konfliktschlichtung ist mit Institutionen, in denen kein persönlich betroffener Ansprechpartner vorhanden ist, nicht möglich. Dagegen bedürfen persönlich Geschädigte sicher vorrangig einer Konfliktbereinigung und Wiedergutmachung.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass in kleineren Firmen (z.B. Einzelhandelsgeschäfte) oder Einrichtungen, wie z. B. Kindertagesstätten, oft so viel Betroffenheit über eine Schädigung vorhanden ist, dass ein Konfliktregelungsbedarf besteht, auch wenn es keinen persönlich Geschädigten im eigentlichen Sinne gibt.

Diebstähle in Kaufhäusern, Sachbeschädigungen, Unterschlagungen gegenüber Firmen und Institutionen können sich in Einzelfällen als geeignet erweisen, wenn es dort einen Ansprechpartner gibt, der über einen Verhandlungsspielraum verfügt und zu einer persönlichen Begegnung mit dem Täter bereit ist.

3.Der Täter muss geständig sein

Ein Ausgleich ist nur möglich, wenn der Beschuldigte sich seiner Verantwortung für die Tat stellt und sich aktiv mit deren Folgen auseinandersetzt. Dabei reicht ein Einräumen der Schädigung (inklusive einer Mitschuld des anderen bzw. einer gemeinsamen Eskalation des Konflikts durch beide Seiten) aus.

Wenn in einem frühen Verfahrensstadium kein formelles Geständnis vorliegt, so ist im Einzelfall zu prüfen, ob der Sachverhalt zweifelsfrei geklärt erscheint. Es kann und darf nicht Aufgabe der Waage als neutrale Instanz sein, Einfluss auf noch nicht abgeschlossene Ermittlungen auszuüben.

4.Die Bereitschaft der Beteiligten zum Ausgleichsversuch muss vorhanden sein

Täter und Opfer müssen einem Ausgleichsversuch zustimmen, da eine ehrliche Auseinandersetzung und ein Eingehen auf die Situation und die Argumente des anderen unter Zwang nicht möglich sind.

Die Mitarbeiter der Waage klären im Erstgespräch die Bereitschaft zum Täter-Opfer-Ausgleich ab und geben Informationen zu Alternativen.

5.Ein Täter-Opfer-Ausgleich darf nicht durchgeführt werden, falls sich therapeutische Hilfen als vorrangig erweisen

Durch den Täter-Opfer-Ausgleich erhalten die Betroffenen die Gelegenheit, ihre Interessen aktiv und eigenverantwortlich zu vertreten, sich direkt mit dem Anderen auseinanderzusetzen, Ursachen und Folgen der Straftat zu be- und verarbeiten.

Dies kann aber ein Beteiligter, der z. B. aufgrund einer traumatischen Verletzung, psychischen Erkrankung etc., therapeutischer Hilfe bedarf, nicht leisten bzw. es ist ihm nicht zuzumuten. Suchtkranke Täter sind häufig aufgrund ihrer Krankheit außerstande, die mit einem Täter-Opfer-Ausgleich verbundenen Verpflichtungen (Termine, Vereinbarungen) einzuhalten.

Die Mitarbeiter achten in den Vorgesprächen auf Anzeichen, die darauf hinweisen, daß die Gesprächspartner möglicherweise vorrangig anderer Hilfen bedürfen und vermitteln diese gegebenenfalls.

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